Pflegetagebuch führen: Der Schlüssel zum richtigen Pflegegrad

21.12.2025 14 Min. Lesezeit Tools
Pflegetagebuch führen: Der Schlüssel zum richtigen Pflegegrad

Pflegetagebuch führen: Der Schlüssel zum richtigen Pflegegrad

Das Führen eines Pflegetagebuchs ist entscheidend, um den tatsächlichen Pflegebedarf darzustellen und den richtigen Pflegegrad zu erhalten. Viele Pflegeleistungen, wie das Zubereiten von Mahlzeiten oder die Beaufsichtigung, werden oft unterschätzt und während der kurzen Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) nicht vollständig erfasst. Ein Pflegetagebuch dokumentiert diese Tätigkeiten detailliert und hilft, finanzielle Nachteile durch falsche Einstufungen zu vermeiden.

Wichtige Punkte:

  • Warum wichtig? Es zeigt den tatsächlichen Pflegeaufwand, besonders bei kleinen, alltäglichen Tätigkeiten.

  • Pflegegrad-Begutachtung: Die Bewertung erfolgt nach sechs Modulen, wobei die Selbstversorgung mit 40 % am stärksten gewichtet wird.

  • Finanzielle Auswirkungen: Ein höherer Pflegegrad kann mehrere Tausend Euro pro Jahr zusätzlich bedeuten.

  • Tipps zur Dokumentation: Führen Sie das Tagebuch mindestens zwei Wochen lang, notieren Sie Tätigkeiten nach Tageszeit und bleiben Sie objektiv.

Ein gut geführtes Pflegetagebuch ist nicht nur bei der Erstantragstellung, sondern auch bei Widersprüchen oder Höherstufungen ein zentrales Werkzeug.

So funktionieren Pflegegrade und worauf MDK-Gutachter achten

Um Ihr Pflegetagebuch effektiv zu führen, ist es wichtig, den Begutachtungsprozess zu verstehen. Seit 2017 verwendet der Medizinische Dienst das Neue Begutachtungsassessment (NBA). Dieses System bewertet die Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen und berücksichtigt auch kognitive und psychische Einschränkungen, wie sie beispielsweise bei Demenz auftreten können. Die folgenden Bewertungsbereiche bilden die Grundlage des Systems.

Die 6 Module der NBA-Begutachtung

Das Begutachtungssystem umfasst 64 Einzelkriterien, die in sechs Module aufgeteilt sind. Jedes Modul trägt unterschiedlich stark zur Gesamtbewertung bei:

Modul

Bereich

Gewichtung

Inhalt

Modul 1

Mobilität

10%

Körperhaltung wechseln, sich im Wohnbereich bewegen, Treppen steigen

Modul 2

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

15%

Orientierung, Erinnerung, Entscheidungen treffen, Gespräche führen

Modul 3

Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

15%

Unruhe, Ängste, Aggressionen, Ablehnung von Pflege

Modul 4

Selbstversorgung

40%

Waschen, Ankleiden, Essen, Trinken, Toilettengang

Modul 5

Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen

20%

Medikamente einnehmen, Arztbesuche, Therapien durchführen

Modul 6

Gestaltung des Alltagslebens

15%

Tagesablauf planen, Hobbys nachgehen, soziale Kontakte pflegen

Quelle:

Besonders wichtig: In den Modulen 2 und 3 wird nur das Modul mit der höheren Punktzahl in die Gesamtbewertung einbezogen. Die Selbstversorgung hat mit 40 % das größte Gewicht. Deshalb ist es entscheidend, in diesem Bereich alle erbrachten Hilfestellungen präzise im Pflegetagebuch zu dokumentieren.

Wie Punkte Ihren Pflegegrad bestimmen

Die Gutachter bewerten jede Fähigkeit mit Punkten: 0 = selbstständig, 1 = überwiegend selbstständig, 2 = überwiegend unselbstständig, 3 = unselbstständig. Die Gesamtpunktzahl aus allen Modulen bestimmt den Pflegegrad:

  • 12,5 bis unter 27 Punkte → Pflegegrad 1 (geringe Beeinträchtigung)

  • 27 bis unter 47,5 Punkte → Pflegegrad 2 (erhebliche Beeinträchtigung)

  • 47,5 bis unter 70 Punkte → Pflegegrad 3 (schwere Beeinträchtigung)

  • 70 bis unter 90 Punkte → Pflegegrad 4 (schwerste Beeinträchtigung)

  • 90 bis 100 Punkte → Pflegegrad 5 (schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen)

Quelle:

Bereits ab 12,5 Punkten gilt eine Person als pflegebedürftig. Besonders kritisch ist die Schwelle zwischen Pflegegrad 2 und 3 bei 47,5 Punkten, da hier oft wenige Punkte über erhebliche finanzielle Leistungen entscheiden.

Häufige Bewertungsfehler, die Sie vermeiden sollten

Ein häufiger Fehler liegt in der Unterscheidung zwischen „braucht Hilfe“ und „bekommt Hilfe“. Die Gutachter bewerten, ob eine Person eine Tätigkeit theoretisch selbstständig ausführen könnte, nicht, ob sie tatsächlich Unterstützung benötigt.

„Für die Gutachter bedeutet ‚selbstständig‘, dass jemand eine Tätigkeit alleine ausführen kann, ohne Hilfe einer anderen Person. Eine Person gilt auch dann als selbstständig, wenn sie eine Handlung mit einem Hilfsmittel ausführen kann – zum Beispiel sich mit einer Gehhilfe ohne fremde Hilfe fortbewegen kann." – gesund.bund.de

Ein Beispiel: Wenn Angehörige das Essen zerkleinern und Getränke reichen, damit die pflegebedürftige Person ausreichend isst und trinkt, wird dies ohne Dokumentation oft als Selbstständigkeit gewertet. Eine genaue Aufzeichnung kann jedoch zeigen, dass diese Hilfe notwendig ist und zur richtigen Einstufung führen.

Ein detailliertes Pflegetagebuch dokumentiert den Pflegebedarf über einen längeren Zeitraum und stellt sicher, dass die tatsächliche Alltagssituation berücksichtigt wird.

Weitere häufige Stolperfallen:

  • Kleine Tätigkeiten wie das Zubereiten von Getränken oder das Bereitstellen von Medikamenten werden oft nicht als Pflegeleistung wahrgenommen.

  • Der zeitaufwendige Pflegebedarf bei ständiger Beaufsichtigung von Demenzkranken wird nicht ausreichend kommuniziert.

  • Pflegende Angehörige können den tatsächlichen Pflegeaufwand während der Begutachtung nicht klar schildern.

Ein gut geführtes Pflegetagebuch hilft, diese Aspekte nachzuweisen und sicherzustellen, dass der tatsächliche Pflegebedarf korrekt erfasst wird.

So führen Sie ein Pflegetagebuch: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Ein Pflegetagebuch hilft dabei, den tatsächlichen Pflegeaufwand präzise zu dokumentieren. Wichtig ist, die Eintragungen direkt nach den jeweiligen Tätigkeiten vorzunehmen, damit keine Details verloren gehen.

Was in ein Pflegetagebuch gehört

Führen Sie alle täglichen Pflegeaufgaben auf, wie:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen, Zahnpflege, Rasieren.

  • Mobilität: Aufstehen, Gehen, Treppensteigen, Lagerung.

  • Mahlzeiten: Zubereitung, Unterstützung beim Essen, Getränke reichen, Menge der aufgenommenen Nahrung.

  • Medikamentengabe: Name, Dosierung, Uhrzeit, eventuelle Nebenwirkungen.

Auch kognitive und emotionale Unterstützung sollte erfasst werden. Dazu zählen Orientierungshilfen, Unterstützung bei Entscheidungen sowie das Eingehen auf Ängste oder Stimmungsschwankungen. Ergänzend dokumentieren Sie Arzttermine, Telefonate mit Pflegepersonal und besondere Ereignisse wie Unruhe in der Nacht oder eine erhöhte Sturzgefahr.

Wichtig: Bleiben Sie objektiv. Beschreiben Sie, was Sie beobachten, ohne persönliche Bewertungen. Direkte Zitate der pflegebedürftigen Person sollten in Anführungszeichen gesetzt werden.

Sobald alle Tätigkeiten notiert sind, strukturieren Sie die Einträge nach Tageszeiten, um die Übersichtlichkeit zu gewährleisten.

Einträge nach Tageszeit strukturieren

Teilen Sie den Tag in sechs Abschnitte:

  • Morgen: 6:00–9:00 Uhr

  • Vormittag: 9:00–12:00 Uhr

  • Mittag: 12:00–14:00 Uhr

  • Nachmittag: 14:00–18:00 Uhr

  • Abend: 18:00–22:00 Uhr

  • Nacht: 22:00–6:00 Uhr.

Für jeden Abschnitt sollten die Tätigkeiten und deren Dauer festgehalten werden. Hier ein Beispiel aus der Praxis:

„Margaret hatte Haferflocken und eine Banane zum Frühstück, die sie selbstständig zu Ende essen konnte. Anschließend machten wir einen kurzen Spaziergang draußen, bei dem sie die frische Luft zu genießen schien und auf einige Blumen hinwies, die ihr gefielen. Nach der Rückkehr half ich ihr bei einigen leichten Dehnübungen für ihre Beine, da sie während des Spaziergangs Schmerzen erwähnt hatte. Ich ließ sie in ihrem Sessel mit einer Zeitschrift in der Hand ruhen."

Vergessen Sie nicht, auch sensible Themen wie Intimpflege, Toilettengänge oder aggressives Verhalten zu dokumentieren, da diese für die Begutachtung durch den MDK wichtig sein können. Nutzen Sie zudem Notizfelder, um besondere Herausforderungen oder Veränderungen in der Stimmung festzuhalten.

Eine klare Tagesstruktur bildet die Grundlage für eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation.

Tipps für eine lückenlose Dokumentation

Um den Pflegebedarf bei der MDK-Begutachtung überzeugend darzustellen, sollten Sie mindestens zwei Wochen lang alle Tätigkeiten detailliert und durchgängig dokumentieren. Verwenden Sie dabei einheitliche Begriffe sowie genaue Angaben zu Datum, Uhrzeit und Dauer – idealerweise ab dem Tag der Antragstellung .

Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten:

  • Zeitaufwand unterschätzen.

  • Beaufsichtigung, insbesondere bei Demenz, nicht berücksichtigen.

  • Wichtige Details weglassen.

Nutzen Sie strukturierte Vorlagen oder digitale Tools, um die Einträge zu vereinfachen und sicherzustellen, dass nichts übersehen wird.

Prüfen Sie Ihre Eintragungen regelmäßig auf Vollständigkeit. Falls Korrekturen notwendig sind, kennzeichnen Sie diese transparent und versehen Sie sie mit Ihren Initialen. Eine ehrliche und konsequente Dokumentation ohne Beschönigungen ist entscheidend, damit der MDK eine realistische Einschätzung vornehmen kann.

7 häufige Fehler beim Führen eines Pflegetagebuchs

Selbst mit den besten Absichten können bei der Dokumentation Fehler passieren. Diese kleinen Ungenauigkeiten können dazu führen, dass der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) den Pflegeaufwand falsch einschätzt. Und das kann erhebliche finanzielle Folgen haben: Der Unterschied zwischen Pflegegrad 2 und 3 kann über 6.000 € pro Jahr ausmachen.

Fehler 1: Zu wenig Zeit für Tätigkeiten angeben

Ein häufiger Fehler ist, den Zeitaufwand für einzelne Aufgaben zu unterschätzen. Zum Beispiel wird oft „5 Minuten für Anziehen“ notiert, obwohl der tatsächliche Aufwand 20 bis 30 Minuten beträgt. Warum? Weil viele die einzelnen Schritte nicht berücksichtigen. Beim Anziehen gehören dazu: Kleidung auswählen, den Pflegebedürftigen zum Schrank bringen, Kleidungsstücke heraussuchen, einzelne Teile anziehen, Knöpfe oder Reißverschlüsse schließen und die Gehzeit zwischen Schlafzimmer und Bad. All das summiert sich schnell auf 20 bis 30 Minuten.

Fehler 2: Beaufsichtigung nicht als Pflegezeit berücksichtigen

Pflege bedeutet nicht nur direkte Tätigkeiten wie Waschen oder Anziehen. Gerade bei Demenzpatienten ist die Beaufsichtigung ein wesentlicher Aspekt. Ob beim Mittagessen, um ein Verschlucken zu verhindern, oder beim Toilettengang, um Stürze zu vermeiden – diese Zeiten zählen ebenfalls als Pflegeaufwand. Über den Tag verteilt kommen dabei oft mehrere Stunden zusammen. Dokumentieren Sie daher auch diese Zeiten, z. B. „Beaufsichtigung beim Mittagessen (30 Min.), um Verschlucken zu verhindern“ oder „Begleitung beim Toilettengang (15 Min.), zur Sturzprävention“.

Neben der exakten Zeitangabe und der Erfassung von Beaufsichtigungszeiten ist auch die Regelmäßigkeit der Dokumentation entscheidend.

Fehler 3: Unregelmäßige oder lückenhafte Dokumentation

Nur „schlechte Tage“ zu notieren, reicht nicht aus. Der MDK benötigt ein vollständiges Bild, idealerweise über einen Zeitraum von mindestens 7 bis 14 Tagen. Schreiben Sie Ihre Beobachtungen täglich und möglichst direkt nach den Tätigkeiten auf. Nachträgliche Einträge sollten klar als solche gekennzeichnet sein, einschließlich Datum und Uhrzeit des tatsächlichen Geschehens.

„If you didn't write it down, it didn't happen.“ – Medical Adage

Ein weiterer Fehler ist das unkritische Wiederholen alter Einträge. Stattdessen sollten Sie präzise und objektive Beschreibungen verwenden und keine wichtigen Details auslassen – etwa zu Inkontinenz oder aggressivem Verhalten. Außerdem erhöhen Datum, Uhrzeit und Unterschrift bei jedem Eintrag die Glaubwürdigkeit Ihrer Dokumentation.

So nutzen Sie Ihr Pflegetagebuch bei und nach MDK-Besuchen

Ein gut geführtes Pflegetagebuch, das den tatsächlichen Pflegeaufwand dokumentiert, kann beim MDK-Besuch eine entscheidende Rolle spielen. Doch wie setzen Sie es gezielt ein, wenn der MDK-Gutachter vor Ort ist? Und was tun, wenn der Pflegegrad nicht dem tatsächlichen Bedarf entspricht?

Ihr Pflegetagebuch für den MDK-Besuch vorbereiten

Beginnen Sie spätestens zwei Wochen vor dem Termin mit der lückenlosen Dokumentation . Diese Zeitspanne zeigt, dass die Pflege regelmäßig erfolgt und nicht nur auf Einzelfällen basiert. Besonders wichtig ist der Bereich Selbstversorgung, der 40 % der Bewertung ausmacht .

Halten Sie folgende Unterlagen bereit:

  • Medikamentenplan und aktuelle Arztberichte

  • Bescheide anderer Sozialversicherungsträger (z. B. Schwerbehindertenausweis)

  • Liste regelmäßiger Behandlungen (z. B. Anlegen von Kompressionsstrümpfen, Blutdruckmessungen)

  • Übersicht über alle genutzten Pflegehilfsmittel

  • Aktuelle Pflegedokumentation des Pflegedienstes (falls vorhanden)

Lassen Sie das Tagebuch vom Pflegebedürftigen unterschreiben, um die Richtigkeit der Angaben zu bestätigen. Wichtig: Der MDK nimmt das Tagebuch nicht mit. Stattdessen zeigen Sie es dem Gutachter zur Einsicht . Mit einer sorgfältigen Vorbereitung können Sie dem Termin selbstbewusst entgegensehen.

Das Pflegetagebuch dem MDK-Gutachter präsentieren

Die Hauptpflegeperson, die das Tagebuch geführt hat, sollte beim Termin anwesend sein – besonders bei Demenzpatienten oder wenn ein gesetzlicher Betreuer involviert ist . Pflegebedürftige verhalten sich während der Begutachtung häufig anders: Aus Nervosität oder dem Wunsch, selbstständiger zu wirken, geben sie oft an, mehr zu schaffen, als im Alltag tatsächlich der Fall ist .

Nutzen Sie das Tagebuch aktiv im Gespräch. Wenn der Gutachter beispielsweise fragt: „Können Sie sich allein anziehen?" und die pflegebedürftige Person mit „Ja" antwortet, verweisen Sie auf konkrete Einträge. Zum Beispiel: „Hier ist dokumentiert, dass das Anziehen 25 Minuten dauerte, da die Kleidung ausgewählt, bereitgelegt und bei jedem Knopf geholfen werden musste." Sollte der Begutachtungstag außergewöhnlich positiv verlaufen, notieren Sie im Vorfeld typische Alltagssituationen, die mehr Unterstützung erfordern. Diese Aufzeichnungen sind auch bei einem Widerspruch oder Höherstufungsantrag hilfreich.

Ihr Pflegetagebuch für Widerspruch oder Höherstufung nutzen

Wird der Pflegegrad zu niedrig eingestuft oder der Antrag abgelehnt, ist das Pflegetagebuch ein zentrales Beweismittel. Innerhalb von vier Wochen nach Bescheid können Sie die Dokumentation nutzen, um der Pflegekasse ein umfassendes Bild der tatsächlichen Unterstützung zu vermitteln .

Bei einem Höherstufungsantrag aufgrund eines verschlechterten Gesundheitszustands ist ein aktualisiertes Tagebuch unverzichtbar. Führen Sie die Dokumentation mindestens zwei Wochen lang fort und vergleichen Sie die neuen Einträge mit den vorherigen. So können Sie die Veränderungen klar darstellen.

Auch in Gerichtsverfahren erhöht das Pflegetagebuch die Erfolgschancen erheblich, da es als anerkanntes Beweismittel gilt und Ihre Angaben objektiv untermauert.

Fazit: Wie ein Pflegetagebuch Ihnen zum richtigen Pflegegrad verhilft

Ein Pflegetagebuch kann dabei helfen, den tatsächlichen Pflegebedarf sichtbar zu machen. Während die MDK-Begutachtung lediglich eine Momentaufnahme liefert, bietet ein kontinuierlich geführtes Tagebuch einen umfassenden Einblick in die Pflegesituation über einen längeren Zeitraum. Studien zeigen, dass strukturierte und regelmäßige Aufzeichnungen die Qualität der Dokumentation deutlich verbessern und zu genaueren Bewertungen führen können.

Ein solches Tagebuch dient nicht nur der korrekten Einstufung, sondern erleichtert auch Angehörigen die Dokumentation des Pflegeaufwands. Es kann zudem als hilfreiche Orientierung für Vertretungspersonen genutzt werden. Für Pflegebedürftige ist eine präzise Dokumentation entscheidend, um den passenden Pflegegrad und damit die finanziell angemessene Unterstützung zu erhalten.

„Es ist wichtig, dass Antragsteller den Zweck und Ablauf der Begutachtung verstehen, damit das Ergebnis der Begutachtung ihrem tatsächlichen Unterstützungsbedarf entspricht." – gesund.bund.de

Die Vorteile eines sorgfältig geführten Pflegetagebuchs sind eindeutig. Beginnen Sie spätestens zwei Wochen vor dem MDK-Termin mit der Dokumentation: Notieren Sie täglich alle Pflegetätigkeiten, inklusive Zeitaufwand und Besonderheiten, auch wenn es sich nur um Beaufsichtigung handelt. Je detaillierter Ihre Aufzeichnungen sind, desto besser kann der Gutachter den tatsächlichen Pflegebedarf einschätzen.

MeinPflegefinder unterstützt Sie nicht nur bei der Suche nach passenden Pflegediensten, sondern stellt auch hilfreiche Informationen zur Beantragung eines Pflegegrads und zum Widerspruchsverfahren bereit. Eine sorgfältige Vorbereitung mit einem aussagekräftigen Pflegetagebuch erhöht Ihre Chancen auf eine gerechte Einstufung erheblich. Nutzen Sie diese Möglichkeit und die Unterstützung von MeinPflegefinder, um Ihre Pflegeansprüche bestmöglich durchzusetzen.

FAQs

Wie hilft ein Pflegetagebuch dabei, den passenden Pflegegrad zu erhalten?

Ein Pflegetagebuch hilft dabei, den tatsächlichen Pflegeaufwand realistisch und ausführlich festzuhalten. Es dokumentiert, welche Unterstützung im Alltag regelmäßig erforderlich ist, und gibt dem Gutachter einen umfassenden Überblick über die erbrachten Pflegeleistungen – auch solche, die bei einer kurzen Begutachtung oft unbemerkt bleiben.

Mit genauen Aufzeichnungen lassen sich Pflegezeiten, Unterstützungsarten und besondere Bedürfnisse klar belegen. Das kann die Chancen erhöhen, den angemessenen Pflegegrad zu erhalten oder bei Bedarf eine Höherstufung zu beantragen.

Welche Fehler sollte man beim Führen eines Pflegetagebuchs unbedingt vermeiden?

Beim Führen eines Pflegetagebuchs gibt es einige typische Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten, um eine genaue und verlässliche Dokumentation zu gewährleisten. Tragen Sie niemals Einträge im Voraus ein – Maßnahmen sollten immer erst nach ihrer Durchführung dokumentiert werden. Ebenso wichtig ist es, vollständige und präzise Einträge zu machen und keine subjektiven Einschätzungen einzufügen. Beschreiben Sie die Pflegesituation stets sachlich und klar.

Verzichten Sie auf Bleistifte, Korrekturstifte oder Überklebungen, da diese die Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit der Aufzeichnungen beeinträchtigen können. Veränderungen im Pflegebedarf sollten ausführlich und detailliert festgehalten werden. Achten Sie darauf, Doppelteintragungen oder fehlerhafte Angaben – beispielsweise zu Hilfsmitteln oder baulichen Anpassungen – zu vermeiden. Eine regelmäßige und sorgfältige Dokumentation ist entscheidend, um den tatsächlichen Pflegeaufwand realistisch und nachvollziehbar darzustellen.

Wie bereitet man sich optimal auf eine MDK-Begutachtung vor?

Eine sorgfältige Vorbereitung auf die MDK-Begutachtung ist entscheidend, um den tatsächlichen Pflegebedarf korrekt darzustellen. Führen Sie ein Pflegetagebuch, in dem der Alltag der pflegebedürftigen Person über mindestens sieben Tage dokumentiert wird. Ergänzend sollten alle relevanten Unterlagen bereitliegen, wie zum Beispiel Arztberichte, Medikamentenlisten, Pflegepläne oder Informationen zu eingesetzten Hilfsmitteln. Wichtig ist, den Pflegeaufwand so darzustellen, wie er tatsächlich im Alltag anfällt – ohne die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person zu über- oder zu unterschätzen.

Während der Begutachtung sollte die pflegebedürftige Person ihren gewohnten Tagesablauf beibehalten, um ein realistisches Bild ihrer Situation zu vermitteln. Achten Sie darauf, dass alle Beteiligten erst zum vereinbarten Termin anwesend sind, und beantworten Sie die Fragen des Gutachters ehrlich. So erhöhen Sie die Chancen auf eine angemessene Einstufung des Pflegegrads.

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