Tagespflege: Kosten, Ablauf und wie Sie den perfekten Platz finden
Tagespflege: Kosten, Ablauf und wie Sie den perfekten Platz finden
Die Tagespflege entlastet Angehörige und bietet Pflegebedürftigen tagsüber Betreuung und Aktivitäten. Ihr Angehöriger wird professionell betreut, bleibt jedoch in der vertrauten häuslichen Umgebung wohnen. Die Pflegekasse übernimmt ab Pflegegrad 2 monatlich bis zu 2.085 € (Pflegegrad 5), ohne das Pflegegeld zu kürzen. Die privaten Kosten liegen meist bei 20–30 € pro Tag.
Leistungen der Tagespflege:
Betreuung, Verpflegung, soziale Aktivitäten
Medizinische Behandlungspflege
Fahrdienst inklusive
Wichtige Tipps:
Nutzen Sie Schnuppertage, um die passende Einrichtung zu finden.
Achten Sie auf geschultes Personal, barrierefreie Räumlichkeiten und ein abwechslungsreiches Programm.
Prüfen Sie den Vertrag genau, insbesondere zu Kosten und Stornobedingungen.
Seit Anfang 2025 stehen durch eine Erhöhung der Pflegekassen-Leistungen 4,5 % mehr Budget zur Verfügung. Tagespflege ist ideal bei beruflichen Verpflichtungen oder zur Entlastung im Alltag.
Was ist Tagespflege und wie funktioniert sie?
Tagespflege, auch teilstationäre Pflege genannt, ist eine gesetzlich geregelte Pflegeform nach § 41 SGB XI. Sie richtet sich an Menschen, die weiterhin zu Hause leben, aber tagsüber auf professionelle Betreuung angewiesen sind. Dabei verbringen Pflegebedürftige den Tag in einer spezialisierten Einrichtung und kehren abends in ihr gewohntes Umfeld zurück. Die Pflegekasse erklärt dazu:
„Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 haben Anspruch auf teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, wenn häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist."
Tagespflegeeinrichtungen sind in der Regel montags bis freitags geöffnet und bieten Betreuung für etwa acht Stunden pro Tag an. Die Pflege findet in kleinen Gruppen statt, meist mit 10 bis 15 Personen. Ein großer Vorteil: Weder das Pflegegeld noch die Pflegesachleistungen werden durch die Nutzung der Tagespflege gekürzt – die Budgets stehen uneingeschränkt zur Verfügung. Doch was genau umfasst die Tagespflege, und wie sieht ein typischer Tag aus?
Hauptleistungen der Tagespflege
Die Tagespflege bietet weit mehr als nur Betreuung. Zu den Leistungen gehören:
Grundpflege: Unterstützung bei der Körperpflege, beim Toilettengang und bei der Mobilität.
Medizinische Behandlungspflege: Dazu zählen die Gabe von Medikamenten, Wundversorgung und Inkontinenzpflege.
Regelmäßige Mahlzeiten: Eine ausgewogene Ernährung ist Teil des Programms.
Soziale Aktivitäten: Angebote wie Stuhlgymnastik, Gedächtnistraining, Basteln, Singen oder Vorlesen fördern die körperliche und geistige Gesundheit. Manche Einrichtungen bieten sogar tiergestützte Therapien oder spezielle Demenzbetreuung an.
Fahrdienst: Ein gesetzlich geregelter Fahrdienst holt die Pflegebedürftigen morgens ab und bringt sie am Nachmittag wieder nach Hause.
Diese Leistungen zielen darauf ab, die Fähigkeiten der Pflegebedürftigen zu erhalten und gleichzeitig die sozialen Kontakte zu fördern.
Tagespflege im Vergleich zu anderen Pflegeformen
Die Tagespflege unterscheidet sich deutlich von anderen Pflegeoptionen. Während die ambulante Pflege stundenweise zu Hause erfolgt und die vollstationäre Pflege eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung bietet, liegt der Fokus der Tagespflege auf einer Mischung aus Betreuung und Aktivierung in einer Einrichtung.
Merkmal | Tagespflege | Ambulante Pflege | Vollstationäre Pflege |
|---|---|---|---|
Ort | Einrichtung (tagsüber) | Zu Hause | Pflegeheim (dauerhaft) |
Dauer | Ca. 8 Stunden/Tag | Stundenweise Besuche | Rund um die Uhr |
Übernachtung erforderlich | Nein (Rückkehr nach Hause) | Nein (zu Hause) | Ja (in der Einrichtung) |
Soziale Kontakte | Hoch (Gruppenaktivitäten) | Begrenzt (Einzelbetreuung) | Hoch (gemeinschaftliches Wohnen) |
Hauptziel | Entlastung der Angehörigen & Aktivierung | Selbstständigkeit zu Hause erhalten | Umfassende 24-Stunden-Versorgung |
Diese Unterschiede machen deutlich, warum die Tagespflege für viele Familien eine attraktive Option darstellt.
Für wen eignet sich Tagespflege?
Die Tagespflege ist ideal für Pflegebedürftige, die von einer festen Tagesstruktur und sozialer Interaktion profitieren. Besonders Menschen mit Demenz oder Alzheimer finden hier Unterstützung, da sie durch die Betreuung und Aktivitäten geistig und körperlich angeregt werden. Auch Personen, die Gefahr laufen, zu vereinsamen oder das Essen und Trinken zu vergessen, können von der Tagespflege profitieren.
Zudem entlastet die Tagespflege pflegende Angehörige, sei es wegen beruflicher Verpflichtungen oder der hohen Belastung durch eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Für die Finanzierung ist ein anerkannter Pflegegrad 2 bis 5 notwendig. Mit dem Pflegegradrechner können Sie eine erste Einschätzung erhalten. Menschen mit Pflegegrad 1 können den monatlichen Entlastungsbetrag von 131 € nutzen, um die Tagespflege anteilig zu finanzieren.
Nicht geeignet ist die Tagespflege für Personen mit starkem Weglauftendenz oder aggressivem Verhalten, das die Gruppendynamik stören könnte. Viele Einrichtungen bieten jedoch Schnuppertage an, bei denen Pflegebedürftige und Angehörige unverbindlich testen können, ob das Angebot zu ihren Bedürfnissen passt – eine gute Möglichkeit, bevor man sich langfristig festlegt.
Kosten und Finanzierung
Was Tagespflege kostet
Die Ausgaben für die Tagespflege setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Der Pflegesatz für die Betreuung variiert regional und liegt zwischen 50 € und 95 € pro Tag. Dazu kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung, also Mahlzeiten und die Nutzung der Räumlichkeiten, sowie Investitionskosten, die für Instandhaltung und Modernisierung anfallen. In einigen Bundesländern wird zusätzlich oft eine Ausbildungsumlage erhoben, die zur Finanzierung von Pflegeausbildungen dient.
So belaufen sich die Gesamtkosten pro Tag in vielen Einrichtungen auf etwa 70 € bis 120 €. Die Pflegekasse übernimmt einen Großteil dieser Kosten. Die privaten Eigenanteile, die für Verpflegung, Unterkunft und Investitionskosten anfallen, liegen in der Regel bei 20 € bis 30 € pro Tag. Auch Fahrtkosten für den Hol- und Bringdienst können häufig aus dem verbleibenden Pflegebudget gedeckt werden, sofern dieses nicht vollständig ausgeschöpft ist.
Was die Pflegekasse übernimmt
Seit dem 1. Januar 2025 wurden die Leistungen der Pflegeversicherung für die Tagespflege um 4,5 % erhöht. Diese monatlichen Budgets stehen zusätzlich zu Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zur Verfügung, ohne dass andere Ansprüche gekürzt werden. Einen vollständigen Überblick aller Zuschüsse und Hilfen für die Pflege zu Hause finden Sie in unserem Ratgeber.
Pflegegrad | Monatliches Budget 2025 |
|---|---|
Pflegegrad 1 | 131 € (nur via Entlastungsbetrag) |
Pflegegrad 2 | 721 € |
Pflegegrad 3 | 1.357 € |
Pflegegrad 4 | 1.685 € |
Pflegegrad 5 | 2.085 € |
Zusätzlich können Sie den Entlastungsbetrag von 131 € pro Monat nutzen, um Ihre privaten Eigenanteile, wie zum Beispiel für Mahlzeiten, Unterkunft oder Investitionskosten, zu reduzieren.
Ihre Eigenanteile in der Praxis
Die Höhe Ihrer privaten Kosten hängt vom Pflegegrad und der Häufigkeit der Tagespflege ab. Bei Pflegegrad 4 entstehen bei vier Tagen pro Woche Gesamtkosten von etwa 1.300 € im Monat, einschließlich rund 385 € Fahrtkosten. Diese Kosten werden vollständig durch das Budget von 1.685 € abgedeckt. Ihre privaten Eigenanteile für Verpflegung und Investitionskosten betragen ungefähr 25 € pro Tag, also rund 400 € monatlich.
Bei Pflegegrad 3 deckt das Budget von 1.357 € bei vier Tagen pro Woche den Großteil der Pflegekosten. Hier fallen private Eigenanteile von etwa 430 € im Monat an, die meist durch das Pflegegeld (ca. 545 €) ausgeglichen werden können – es bleibt ein Rest von rund 115 € übrig. Wird die Tagespflege intensiver genutzt, etwa an fünf Tagen pro Woche, kann das Budget schneller ausgeschöpft sein. Besonders bei Pflegegrad 2 reichen die 721 € oft nicht aus, während bei höheren Pflegegraden die Kosten in der Regel vollständig gedeckt werden.
Der monatliche Entlastungsbetrag von 131 € hilft zusätzlich, die privaten Aufwendungen zu verringern. Dieser Betrag kann auch über mehrere Monate angespart werden, falls er nicht sofort benötigt wird.
So finden Sie die richtige Tagespflegeeinrichtung
15 Qualitätskriterien zur Überprüfung
Um eine passende Tagespflegeeinrichtung zu finden, sollten Sie verschiedene Aspekte genau unter die Lupe nehmen. Hierzu zählen unter anderem die fachliche Qualifikation der Leitung, ein ausreichendes Betreuungspersonal für individuelle Unterstützung sowie eine angemessene Gruppengröße. In der Regel liegt diese bei 10 bis 16 Teilnehmern, wobei private Anbieter oft Platz für 18 Personen und gemeinnützige Träger etwa 15 Plätze anbieten .
Wichtige Kriterien sind auch ein betreuungsspezifisches Konzept, das auf besondere Bedürfnisse wie Demenz oder jüngere Pflegebedürftige abgestimmt ist, sowie ein abwechslungsreiches Aktivitätenprogramm mit Angeboten wie Gedächtnistraining, Gymnastik, kreativen Tätigkeiten, Musiktherapie und Ausflügen .
Die Räumlichkeiten sollten barrierefrei und sicher sein, insbesondere für Menschen mit einer Weglauftendenz. Ebenso zählen Sauberkeit in allen Bereichen, eine hochwertige Verpflegung, die auch spezielle Ernährungsbedürfnisse berücksichtigt, ein zuverlässiger Fahrdienst, ein gutes Eingewöhnungskonzept und flexible Buchungsoptionen zu den entscheidenden Punkten. Weitere wichtige Aspekte sind die Nähe zu ärztlicher Versorgung und transparente Kostenangaben, die auch Investitions- und Ausbildungsumlagen einschließen.
Diese Kriterien helfen Ihnen, die Auswahl gezielt einzugrenzen und eine fundierte Entscheidung zu treffen. Unsere kostenlose Checkliste zur Pflegedienstauswahl unterstützt Sie dabei, alle wichtigen Punkte systematisch zu prüfen.
Wo Sie nach Einrichtungen suchen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine geeignete Tagespflegeeinrichtung zu finden. Ihre Pflegekasse oder eine lokale Pflegeberatungsstelle stellt in der Regel Listen mit lizenzierten Anbietern in Ihrer Region zur Verfügung. Auch der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) bietet ein Online-Suchportal, das Ihnen bei der Recherche hilft.
Viele Alten- und Pflegeheime in Ihrer Umgebung bieten ebenfalls Tagespflege an. Ein Anruf oder ein persönlicher Kontakt kann sich lohnen. Zudem gibt es Online-Verzeichnisse wie MeinPflegefinder, die es ermöglichen, gezielt nach lizenzierten Einrichtungen zu suchen und Ihre individuellen Anforderungen zu berücksichtigen. Das Bundesministerium für Gesundheit bietet darüber hinaus einen Online-Ratgeber, der weitere Informationen zur Suche und Bewertung von Pflegeangeboten bereithält.
Nach der Recherche ist der nächste Schritt besonders wichtig: die persönliche Besichtigung der Einrichtung.
Besichtigungen und Probetage nutzen
Bevor Sie sich für eine Einrichtung entscheiden, sollten Sie die Möglichkeit eines Probetages nutzen. So können Sie die Atmosphäre, den Tagesablauf und die Gruppendynamik besser einschätzen. Achten Sie dabei auf den strukturierten Ablauf, die Qualität der sozialen Interaktionen und die Vielfalt der angebotenen Aktivitäten. Beobachten Sie auch, wie das Personal auf individuelle Bedürfnisse eingeht.
Ein respektvoller Umgang zwischen Personal und Gästen ist ein entscheidendes Kriterium. Insbesondere bei Menschen mit Demenz sollte das Personal speziell geschult sein, und die Umgebung muss höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechen.
Fragen Sie nach dem Betreuungsschlüssel, also wie viele Pflegekräfte für die Betreuung der Gäste zuständig sind, und erkundigen Sie sich nach Regelungen für den Fall, dass Stammpersonal ausfällt. Prüfen Sie außerdem, ob die Einrichtung über einen sicheren Außenbereich wie einen Garten oder eine Terrasse verfügt. Ein gut geplanter Probetag kann Ihnen eine fundierte Grundlage für Ihre Entscheidung bieten.
Organisation und Alltag mit der Tagespflege
Antragsverfahren und Vertragsabschluss
Der erste Schritt ist die Feststellung des Pflegegrades. Falls Ihr Angehöriger noch keinen Pflegegrad hat, sollten Sie diesen sofort beantragen, da Leistungen rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung gewährt werden. Ab Pflegegrad 2 übernimmt die Pflegekasse die Kosten für teilstationäre Pflege. Hierzu führt der Medizinische Dienst (MD) eine Begutachtung durch, und die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Werktagen eine Entscheidung treffen. Verzögert sich dies, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe von 70 € pro Woche.
Nach der Feststellung des Pflegegrades sollten Sie einen Kostenvoranschlag anfordern, der alle relevanten Posten wie Pflege, Verpflegung, Unterkunft und Investitionskosten enthält. Die Tagespflegeeinrichtung unterstützt Sie in der Regel bei der Antragstellung. Achten Sie beim Vertragsabschluss darauf, die Besuchstage, den Tagessatz, den Fahrdienst sowie die Kündigungs- und Stornobedingungen genau zu klären. Besonders die Stornobedingungen sind wichtig: Ohne klare Regelungen könnten Ihnen Eigenanteile von 20 bis 30 € pro Tag berechnet werden. Sobald die vertraglichen Details geklärt sind, kann die Organisation des Transports beginnen.
Fahrdienst organisieren
Viele Tagespflegeeinrichtungen bieten einen Fahrdienst an, der Ihren Angehörigen morgens von der Haustür abholt und nachmittags wieder zurückbringt. Dieser Transport ist laut § 41 SGB XI ein notwendiger Bestandteil der teilstationären Pflege. Die Kosten dafür werden aus dem Tagespflegebudget der Pflegekasse gedeckt. Dieses Budget variiert je nach Pflegegrad: Bei Pflegegrad 2 stehen 721 € monatlich zur Verfügung, bei Pflegegrad 4 sind es 1.685 €.
Erkundigen Sie sich, ob der Fahrdienst pauschal oder nach gefahrenen Kilometern abgerechnet wird. Solange das Pflegebudget nicht ausgeschöpft ist, übernimmt die Pflegekasse die Transportkosten vollständig. Bei Pflegegrad 1 können Sie den Entlastungsbetrag von 131 € monatlich für den Fahrdienst nutzen. Alternativ können Sie den Transport privat organisieren, beispielsweise durch Angehörige.
Flexible Besuchstage und Abwesenheiten
Sobald die organisatorischen Fragen geklärt sind, können Sie den individuellen Besuchsplan festlegen. Je nach Bedarf und Budget können ein bis fünf Besuchstage pro Woche vereinbart werden. Die meisten Einrichtungen sind von Montag bis Freitag zwischen 8:00 und 16:00 Uhr geöffnet. Ein Beispiel: Mit Pflegegrad 3 und einem Budget von 1.357 € lassen sich bei durchschnittlichen Tagessätzen etwa vier Tage pro Woche abdecken, ohne dass hohe Zuzahlungen erforderlich sind.
Die Pflegekasse übernimmt jedoch nur die Kosten für tatsächlich besuchte Tage. Prüfen Sie daher im Vertrag, wie mit Abwesenheiten durch Urlaub oder Krankheit umgegangen wird. Klären Sie, wie viele Tage im Voraus eine Absage erfolgen muss und ob dennoch Kosten, etwa für Verpflegung oder Investitionsumlagen, anfallen. Abschließend sollten Sie sicherstellen, dass der Fahrdienst flexibel genug ist, um bei variierenden Besuchstagen unterschiedliche Abhol- und Bringzeiten zu ermöglichen.
Besondere Situationen und Lösungen
Tagespflege für Menschen mit Demenz
Viele Einrichtungen bieten eine speziell auf Menschen mit Demenz ausgerichtete Betreuung an. Dabei ist geschultes Personal besonders wichtig, einschließlich Betreuungskräften, die gezielt für die Aktivierung und Beaufsichtigung von Demenzkranken ausgebildet sind. Eine Umgebung, die Orientierung unterstützt, kann ebenfalls helfen: Farb- und Lichtkonzepte sowie der Verzicht auf visuelle Barrieren sorgen dafür, dass sich Menschen mit eingeschränkter Wahrnehmung sicherer fühlen.
Für Personen mit Weglauftendenzen sind gesicherte Außenbereiche wie Gärten oder Terrassen sowie überwachte Ausgänge unverzichtbar. Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Ritualen wie gemeinsamen Mahlzeiten, Gedächtnistraining oder Biografiearbeit gibt den Betroffenen Sicherheit und Orientierung. Ergänzend dazu bieten viele Einrichtungen therapeutische Angebote wie Musiktherapie, tiergestützte Therapie oder Sitzsport an. Für Menschen mit nächtlicher Unruhe oder einem umgekehrten Schlaf-Wach-Rhythmus kann eine spezialisierte Nachtpflege eine hilfreiche Alternative sein. Sie bietet nicht nur medizinische Sicherheit, sondern entlastet auch die Angehörigen.
Schnuppertage sind eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, ob sich Ihr Angehöriger in der Einrichtung wohlfühlt. Neben der spezialisierten Betreuung für Demenzkranke gibt es jedoch weitere Herausforderungen, etwa wenn die Tagespflege von Betroffenen zunächst abgelehnt wird.
Wenn Ihr Angehöriger die Tagespflege ablehnt
Es kommt häufig vor, dass ältere Menschen die Tagespflege zunächst ablehnen. Doch viele gewöhnen sich schnell ein, sobald sie in die Gruppe integriert sind. Viele Einrichtungen bieten eine sanfte Eingewöhnung an, um den Übergang zu erleichtern. Statt von „Tagespflege“ zu sprechen, können Sie die Einrichtung als „Tagestreff“ oder sozialen Treffpunkt bezeichnen – das nimmt das Gefühl, auf Pflege angewiesen zu sein.
Heben Sie die sozialen Vorteile hervor, wie die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, gemeinsam zu kochen, zu gärtnern oder an Ausflügen teilzunehmen. Aktivitäten, die den Interessen Ihres Angehörigen entsprechen – etwa Gedächtnistraining, Musik oder Handarbeiten – können ebenfalls helfen, die Akzeptanz zu erhöhen. Beginnen Sie mit wenigen Tagen pro Woche, um eine langsame Gewöhnung zu ermöglichen, und nutzen Sie unverbindliche Schnuppertage, um die Atmosphäre kennenzulernen.
Anpassung an veränderte Pflegebedürfnisse
Wenn sich der Gesundheitszustand Ihres Angehörigen ändert, sollten auch die Pflegeleistungen angepasst werden. Stellen Sie bei der Pflegekasse einen Antrag auf Höherstufung des Pflegegrades. Dieser kann formlos erfolgen, und die Leistungen werden rückwirkend ab dem Antragsdatum gewährt. Um die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst zu erleichtern, dokumentieren Sie die täglichen Pflegeaktivitäten so genau wie möglich.
Tagespflege kann problemlos mit anderen Leistungen wie ambulanten Pflegesachleistungen oder einer 24-Stunden-Betreuung kombiniert werden, ohne dass das Tagespflegebudget gekürzt wird. Bei plötzlichen Veränderungen oder wenn pflegende Angehörige erschöpft sind, stehen Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege als zusätzliche Optionen zur Verfügung. Seit dem 1. Juli 2025 wird ein einheitliches Entlastungsbudget von 3.539 € eingeführt, das verschiedene Entlastungsleistungen bündelt. Lokale Pflegeberatungsstellen oder die Pflegekasse können Sie dabei unterstützen, neue Pflegepläne zu erstellen. Sollte die häusliche Versorgung nicht mehr ausreichen, könnten Betreutes Wohnen oder eine vollstationäre Pflege geeignete Alternativen sein.
Fazit
Die Tagespflege bietet eine praktische Möglichkeit, Pflegebedürftige tagsüber bis zu acht Stunden professionell betreuen zu lassen. Dabei profitieren sie von einem strukturierten Tagesablauf und sozialen Kontakten, während Angehörige entlastet werden und ihren beruflichen oder privaten Verpflichtungen nachgehen können. Diese Form der Betreuung schließt die Lücke zwischen häuslicher Pflege und einer vollstationären Unterbringung.
Seit Anfang 2025 wird die Unterstützung durch die Pflegekasse um 4,5 % erhöht. Je nach Pflegegrad stehen monatlich zwischen 721 € und 2.085 € zur Verfügung, ergänzt durch einen Entlastungsbetrag von 131 €, der für private Ausgaben genutzt werden kann. Diese finanziellen Mittel schaffen eine solide Grundlage für die Planung und Entscheidung.
Bei der Auswahl einer passenden Tagespflegeeinrichtung sollten Sie auf wesentliche Kriterien achten. Dazu gehören spezialisierte Angebote, wie etwa für Demenz, ein guter Betreuungsschlüssel, ein durchdachtes Betreuungskonzept und ein integrierter Fahrdienst. Schnuppertage bieten eine hervorragende Gelegenheit, die Einrichtung und ihre Atmosphäre besser kennenzulernen.
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FAQs
Worauf sollte man bei der Auswahl einer Tagespflegeeinrichtung achten?
Die Entscheidung für eine Tagespflegeeinrichtung will gut überlegt sein. Schließlich soll die Betreuung nicht nur den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person gerecht werden, sondern auch organisatorisch gut passen. Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie berücksichtigen sollten:
Ein umfassendes Betreuungsangebot ist essenziell. Dazu gehören pflegerische Leistungen, medizinische Behandlungspflege sowie ergänzende Therapien wie Physiotherapie oder Gedächtnistraining. Auch eine angenehme soziale Atmosphäre spielt eine große Rolle – kleine Gruppen tragen oft dazu bei, dass sich die Teilnehmenden wohler fühlen. Ebenso wichtig ist die Qualifikation des Personals und ein Betreuungsschlüssel, der genügend Zeit für jeden Einzelnen ermöglicht.
Praktische Aspekte wie die Verpflegung, barrierefreie Räumlichkeiten und gegebenenfalls ein Transportservice sollten ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Klären Sie zudem die Kosten: Welche Leistungen übernimmt die Pflegekasse, und welche Eigenanteile fallen an? Zertifizierungen und transparente Qualitätsberichte können Ihnen zusätzliches Vertrauen in die Einrichtung geben.
Wenn Sie all diese Punkte sorgfältig prüfen, können Sie die Tagespflege finden, die optimal zu Ihren Anforderungen passt.
Welche Vorteile bietet die Tagespflege gegenüber anderen Pflegeformen?
Die Tagespflege verbindet professionelle Betreuung mit der Möglichkeit, weiterhin im eigenen Zuhause zu leben. Pflegebedürftige verbringen den Tag in einer Einrichtung, wo sie von geschultem Personal umsorgt werden, und kehren abends in ihre gewohnte Umgebung zurück. So bleibt ihre Selbstständigkeit erhalten, während sie von Angeboten wie pflegerischer Unterstützung, gemeinsamen Mahlzeiten sowie Aktivitäten wie Gymnastik oder Gedächtnistraining profitieren.
Für Angehörige, besonders wenn sie berufstätig sind, bedeutet die Tagespflege eine spürbare Entlastung. Sie bietet flexible Betreuungszeiten – von einzelnen Tagen bis hin zur ganztägigen Versorgung – und schafft Raum für Arbeit oder Erholung. Gleichzeitig stärkt die Tagespflege soziale Kontakte und sorgt für einen geregelten Tagesablauf, was das körperliche und geistige Wohlbefinden der Pflegebedürftigen fördert. Damit ist sie eine flexible und kostengünstige Alternative zur rein häuslichen oder vollstationären Pflege.
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