Dekubitus zu Hause behandeln
Dekubitus zu Hause behandeln
Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür genannt, entsteht durch anhaltenden Druck auf die Haut, meist an Stellen mit wenig Polsterung wie Steißbein, Fersen oder Hüfte. Besonders gefährdet sind pflegebedürftige Menschen, da bereits zwei Stunden ununterbrochener Druck Gewebeschäden verursachen können.
Wichtigste Maßnahmen:
Tägliche Kontrolle der Haut: Frühzeitige Erkennung verhindert schwerwiegende Schäden.
Druckentlastung: Umlagerung alle 2 Stunden, Nutzung von Lagerungshilfen wie Kissen oder speziellen Matratzen.
Professionelle Wundversorgung: Ab Stadium 2 (offene Haut) ist ärztliche Hilfe notwendig.
Vermeidung von Hausmitteln: Alkohol, Zinkpaste oder Massagen verschlimmern oft die Situation.
Risikofaktoren:
Hauptursachen: Druck, Scherkräfte und Feuchtigkeit.
Gefährdete Gruppen: Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Inkontinenz oder Mangelernährung.
Fazit: Dekubitus kann durch konsequente Prävention und schnelle Reaktion auf erste Anzeichen vermieden oder behandelt werden. Professionelle Unterstützung ist ab offenen Wunden unverzichtbar.
Was ist ein Dekubitus und wie entsteht er?
Ein Dekubitus ist eine lokale Schädigung von Haut und Gewebe, die durch anhaltenden Druck entsteht. Besonders gefährdet sind Bereiche über Knochenvorsprüngen, wo Druck oder eine Kombination aus Druck und Scherkräften auftreten können. Die Entstehung lässt sich auf eine einfache Formel herunterbrechen: Druck × Zeit = Gewebeschädigung.
Der Prozess ist dabei ebenso simpel wie gefährlich: Langanhaltender Druck behindert den Blutfluss in den Kapillaren. Dadurch fehlen dem Gewebe Sauerstoff und Nährstoffe, während Stoffwechselprodukte nicht abtransportiert werden können. Diese Unterversorgung (Ischämie) führt zum Absterben der Zellen und letztendlich zur Bildung eines Druckgeschwürs.
Drei Hauptfaktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung: Druck, Scherkräfte und Feuchtigkeit. Scherkräfte entstehen, wenn Hautschichten gegeneinander verschoben werden – etwa beim Umlagern oder wenn eine Person im Bett nach unten rutscht. Dabei werden Blutgefäße verdreht oder abgerissen. Feuchtigkeit, etwa durch Schweiß oder Inkontinenz, macht die Haut weicher und anfälliger für Schäden, da ihre Schutzbarriere geschwächt wird. Dieses Wissen ist entscheidend, um Dekubitus frühzeitig zu verhindern.
Wie Druck, Scherkräfte und Feuchtigkeit die Haut schädigen
Druck ist der Hauptauslöser: Bereits nach 2 bis 4 Stunden ununterbrochenen Drucks kann es bei gefährdeten Personen zu Gewebeschäden kommen. Bei bestehenden Durchblutungsstörungen sogar noch schneller. Besonders gefährlich ist der Druck an Körperstellen, an denen Knochen direkt unter der Haut liegen, da dort kaum Fett- oder Muskelgewebe als Polster dient.
Die häufigsten Risikostellen hängen von der Liegeposition ab:
Position | Gefährdete Körperstellen |
|---|---|
Rückenlage | Hinterkopf, Schulterblätter, Ellenbogen, Kreuzbein/Steißbein, Fersen |
Seitenlage | Ohren, Schultergelenk, Rippen, Hüftknochen (Trochanter), Knie, Knöchel |
Sitzposition | Schulterblätter, Wirbelsäule, Ellenbogen, Sitzbein, Fersen |
Bauchlage | Stirn, Wangenknochen, Knie, Zehen, Brust |
Das Kreuzbein (Sakralbereich) ist mit rund 40 % aller Fälle die häufigste Stelle für Druckgeschwüre. Besonders beim Sitzen ist das Risiko hoch, da der Druck auf das Gewebe hier etwa 7-mal höher ist als im Liegen. Rollstuhlfahrer sind daher besonders gefährdet.
Scherkräfte wirken zerstörerisch, indem sie die Blutgefäße verdrehen oder abreißen, mit schwerwiegenden Folgen für die Durchblutung.
Feuchtigkeit durch Schweiß, Inkontinenz oder Wundflüssigkeit macht die Haut weich und durchlässig. In diesem Zustand reicht schon geringe Reibung, um die oberste Hautschicht zu beschädigen, was Infektionen begünstigen kann. Diese Faktoren führen zu unterschiedlichen Schweregraden eines Dekubitus, die nachfolgend klassifiziert werden.
Die 4 Stadien des Dekubitus (EPUAP-Klassifikation)
Das European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) hat vier Kategorien definiert, die von den ersten Anzeichen bis zu den schwersten Formen reichen:
Stadium/Kategorie | Klinisches Bild |
|---|---|
Kategorie 1 | Haut intakt, aber nicht wegdrückbare Rötung. Die betroffene Stelle kann schmerzhaft, wärmer oder kälter und härter oder weicher als die Umgebung sein. |
Kategorie 2 | Teilweiser Hautverlust, der bis in die Lederhaut reicht. Sichtbar ist ein flaches, offenes Geschwür mit rosa-rotem Wundbett oder eine serumgefüllte Blase. |
Kategorie 3 | Vollständiger Hautverlust, bei dem Unterhautfettgewebe sichtbar wird. Knochen, Sehnen oder Muskeln sind jedoch nicht freigelegt. Es können Unterminierungen oder Taschenbildungen auftreten. |
Kategorie 4 | Vollständiger Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Es besteht ein hohes Risiko für Knocheninfektionen (Osteomyelitis). |
Nicht klassifizierbar | Die Tiefe der Wunde ist nicht bestimmbar, da sie durch Beläge oder Schorf bedeckt ist. |
Ein einfacher Fingerdrucktest kann helfen, Kategorie 1 frühzeitig zu erkennen: Drücken Sie etwa eine Sekunde lang mit dem Finger auf die gerötete Stelle. Wenn die Rötung bestehen bleibt (also nicht wegdrückbar ist), liegt ein Dekubitus vor und es ist sofortiges Handeln erforderlich.
„Ein Dekubitus beginnt, bevor man ihn sieht und heilt nur mit Entlastung." – oped-wundversorgung.de
Hochrisikogruppen für Druckgeschwüre
Einige Gruppen sind besonders gefährdet. Statistiken zeigen, dass etwa 10 % der Krankenhauspatienten, bis zu 30 % der Bewohner in geriatrischen Einrichtungen und rund 20 % der zu Hause gepflegten Personen ein Druckgeschwür entwickeln.
Erste Maßnahmen nach dem Entdecken eines Druckgeschwürs
Wenn ein Dekubitus bemerkt wird, zählt schnelles Handeln. Die richtigen Schritte sind entscheidend, um eine Verschlimmerung zu verhindern und die Heilung zu fördern. Druckentlastung, ärztliche Hilfe und der Verzicht auf Hausmittel sind die drei wichtigsten Maßnahmen, die sofort ergriffen werden sollten.
Druckentlastung: Das A und O
Das oberste Gebot lautet: Sofort den Druck von der betroffenen Stelle nehmen. Lagern Sie die betroffene Person so, dass kein Gewicht mehr auf der geschädigten Hautstelle lastet. Bereits nach 2 bis 4 Stunden ununterbrochenen Drucks können Gewebeschäden entstehen.
Hier einige Lagerungstechniken, je nach betroffener Körperstelle:
Kreuzbein/Steißbein: Nutzen Sie die 30°-Seitenlagerung, bei der die Person leicht schräg auf der Seite liegt, um den Druck auf das Kreuzbein zu verringern.
Fersen: Legen Sie ein Kissen unter die Waden, sodass die Fersen frei in der Luft schweben und keinen Kontakt zur Matratze haben.
Hüfte: Wechseln Sie zur 135°-Position, bei der das Gewicht besser verteilt wird.
Achten Sie darauf, die Person anzuheben und nicht über das Bettlaken zu ziehen, um Scherkräfte zu vermeiden, die tieferliegende Blutgefäße schädigen können. Verwenden Sie dafür spezielle Gleithilfen.
Stellen Sie sicher, dass die Position der Person alle zwei Stunden geändert wird. Nutzen Sie einen Timer, um diese Wechsel nicht zu vergessen. Zudem sollten Bettlaken glatt und faltenfrei sein, um punktuelle Druckbelastungen zu verhindern.
Wann der Arztbesuch notwendig ist
Ein Arzt oder Wundexperte sollte eingeschaltet werden, wenn eine Hautrötung nach zwei Stunden Druckentlastung nicht verschwindet. Das ist ein Hinweis auf einen beginnenden Dekubitus, der behandelt werden muss.
Offene Wunden (ab Kategorie 2) benötigen eine professionelle Versorgung. Selbstversuche bei der Behandlung sind riskant, da ungeeignete Wundauflagen oder Reinigungsmittel Infektionen auslösen und die Heilung verzögern können.
Zur Dokumentation der Wunde empfiehlt es sich, ein gut beleuchtetes Foto mit einem Lineal zum Größenvergleich zu machen. Dies hilft nicht nur dem behandelnden Fachpersonal, sondern auch bei eventuellen Prüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD).
Warnsignal | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
Nicht wegdrückbare Rötung | Dekubitus Kategorie 1 | Druckentlastung und Arzt kontaktieren |
Unangenehmer Geruch/Eiter | Bakterielle Infektion | Sofortige ärztliche Untersuchung |
Fieber und Schüttelfrost | Systemische Infektion/Sepsis | Notärztliche Versorgung |
Keine Besserung nach 14 Tagen | Stagnierende Heilung | Therapie überprüfen lassen |
Schwarzes oder gelbes Gewebe | Nekrose/Belag | Fachgerechtes Débridement erforderlich |
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Symptome wie hohes Fieber, schneller Puls, Verwirrtheit oder kalte Extremitäten auftreten. Diese könnten auf eine lebensbedrohliche Sepsis hinweisen, die umgehend notärztlich behandelt werden muss.
Finger weg von Hausmitteln
So verlockend es auch sein mag, Hausmittel können oft mehr Schaden anrichten als helfen. Verzichten Sie auf:
Föhnen oder Kühlen: Beides beeinträchtigt die Durchblutung und schädigt die Haut.
Alkoholische Einreibungen (z. B. Franzbranntwein): Diese trocknen die Haut aus und zerstören die natürliche Schutzbarriere.
Zinkpaste: Sie erschwert die Beobachtung des Hautzustands und kann intakte Haut austrocknen.
Fette wie Vaseline oder Babyöl: Diese verstopfen die Poren und behindern den Wärmeaustausch.
Massagen der betroffenen Stelle: Sie belasten das geschädigte Gewebe und die Blutgefäße zusätzlich.
Auch Naturheilmittel wie Honig, Kamille oder Ringelblumensalbe sind ohne ärztliche Rücksprache tabu. Sie können allergische Reaktionen hervorrufen oder die Wunde reizen.
Ein Dekubitus ist keine gewöhnliche Verletzung, sondern eine medizinische Wunde, die Fachwissen erfordert. Nur geschultes Personal kann die richtige Wundauflage auswählen, die auf das Stadium und den Zustand der Wunde abgestimmt ist.
Dekubitus-Wundversorgung zu Hause
Die Pflege eines Dekubitus zu Hause erfordert sorgfältige Vorbereitung und ein hohes Maß an Hygiene. Während Angehörige bei leichteren Wunden helfen können, ist bei Dekubitus ab Kategorie 2 professionelle Unterstützung unverzichtbar.
Einen hygienischen Arbeitsplatz schaffen
Vor der Wundversorgung sollten Sie Ihre Hände gründlich waschen und anschließend mit einem geeigneten Desinfektionsmittel desinfizieren. Ein sauberer Arbeitsplatz ist essenziell – nutzen Sie beispielsweise einen Tisch oder ein Tablett, das Sie mit einem Flächendesinfektionsmittel reinigen.
Bereiten Sie alle benötigten Materialien vor: sterile Kochsalzlösung (0,9 % NaCl oder Ringer-Lösung), moderne Wundauflagen wie Hydrocolloid-, Schaum- oder Alginatverbände, Einmalhandschuhe und pH-neutrale Seifen für die umliegende Haut. Eine gute Beleuchtung erleichtert die Beurteilung der Wunde.
Falls die zu pflegende Person über einen anerkannten Pflegegrad verfügt, stellt die Pflegekasse nach SGB XI zusätzliche Mittel bereit. Ob und welcher Pflegegrad vorliegt, lässt sich schnell mit dem Pflegegradrechner ermitteln. Zusätzlich bieten viele Kranken- und Pflegekassen kostenlose Pflegekurse an, in denen die richtige Wundversorgung vermittelt wird.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Verbandswechsel
Ein Verbandswechsel muss behutsam durchgeführt werden, um die Wunde nicht weiter zu schädigen. Tragen Sie Einmalhandschuhe und entfernen Sie den alten Verband vorsichtig. Falls der Verband klebt, weichen Sie ihn mit steriler Kochsalzlösung auf, um ein schmerzhaftes Abreißen zu vermeiden.
Reinigen Sie die Wunde gründlich mit 0,9 % Kochsalzlösung oder Ringer-Lösung. Vermeiden Sie die Verwendung von Leitungswasser, es sei denn, es wurde durch spezielle Filter keimfrei gemacht. Notieren Sie Veränderungen wie Größe, Geruch, Farbe und Menge des Wundsekrets.
Bei tiefen Wunden (Kategorie 3 oder 4) sollten Hohlräume mit Alginaten oder Hydrofasern gefüllt werden, bevor Sie die Hauptauflage auflegen. Die Auswahl der Wundauflage hängt von der Menge der Wundflüssigkeit ab: Hydrocolloidverbände eignen sich bei geringer Flüssigkeitsmenge, während Schaumverbände bei mäßiger bis starker Sekretion besser geeignet sind. Achten Sie darauf, den Verband so zu fixieren, dass keine neuen Druckstellen entstehen.
"Die trockene Versorgung einer solchen Wunde [Dekubitus] ist heute als Therapiefehler zu bezeichnen, da sie die Wundheilung massiv negativ beeinflusst." – ICW (Initiative Chronische Wunden)
Beobachten Sie während und nach dem Verbandswechsel die Wunde genau, um mögliche Infektionszeichen frühzeitig zu erkennen.
Warnzeichen einer Wundinfektion
Eine tägliche Kontrolle der Wunde ist entscheidend, um Infektionen frühzeitig zu bemerken. Hinweise auf eine Infektion können eine zunehmende Rötung, Schwellung oder lokale Überwärmung sein. Ein unangenehmer Geruch und eitrige, gelblich-grüne Absonderungen deuten auf eine bakterielle Infektion hin.
Sollten systemische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands auftreten, ist sofort ärztliche Hilfe notwendig. Auch starke Schmerzen oder Verhärtungen der Haut, die mit einer dunkel-violetten Verfärbung einhergehen, erfordern eine umgehende Abklärung durch einen Arzt oder Wundspezialisten.
Führen Sie ein Wundprotokoll, um Veränderungen zu dokumentieren, dies hilft Fachkräften, den Heilungsverlauf besser einzuschätzen. Bei Anzeichen einer Sepsis, wie Verwirrtheit, schneller Puls oder extreme Schwäche, ist ein Notarzt unverzüglich zu verständigen. Wie Sie in solchen Situationen strukturiert vorgehen, zeigt unser Handlungsplan für den Pflegenotfall.
Professionelle Hilfe bei der Wundbehandlung
Wann professionelle Pflegedienste erforderlich sind
Wenn es um die Behandlung fortgeschrittener Dekubitusstadien geht, ist professionelle Unterstützung unverzichtbar. Ab Kategorie 2, bei der die Haut offen ist oder Blasenbildung auftritt, sollte die Wundversorgung unbedingt von medizinischem Fachpersonal übernommen werden. Angehörige können zwar helfen, jedoch niemals ohne fachliche Anleitung und Überwachung.
Wunden der Kategorie 3 und 4, die tiefere Gewebeschichten wie Fettgewebe, Muskeln oder sogar Knochen betreffen, erfordern ein spezialisiertes Wundmanagement. In vielen Fällen sind chirurgische Eingriffe notwendig. Bei Anzeichen einer Infektion – wie Fieber, Eiterbildung oder unangenehmem Geruch – ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich. Mit MeinPflegefinder können Sie qualifizierte ambulante Pflegedienste und Wundexperten in Ihrer Nähe finden.
Falls eine professionelle Behandlung notwendig wird, sollten Sie zudem die Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse frühzeitig klären.
Kostenübernahme durch die Krankenversicherung
Für die häusliche Wundversorgung benötigen Sie eine ärztliche Verordnung für "Häusliche Krankenpflege" oder "Behandlungspflege". Diese wird nach einer Begutachtung der Wunde vom Hausarzt oder Dermatologen ausgestellt. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die medizinische Wundbehandlung, einschließlich moderner Wundauflagen und der Einsätze eines Pflegedienstes, gemäß den Vorgaben des SGB V.
Darüber hinaus können spezielle Hilfsmittel wie Antidekubitus-Matratzen oder Lagerungskissen ebenfalls über die Krankenkasse bezogen werden. In der Regel fällt dabei nur eine gesetzliche Zuzahlung von maximal 10 € an. Falls ein anerkannter Pflegegrad vorliegt, stellt die Pflegekasse nach SGB XI zusätzliche Mittel bereit – etwa 42 € monatlich für Verbrauchsmaterialien wie Handschuhe oder Desinfektionsmittel.
Neben der finanziellen Unterstützung ist die fachliche Kompetenz der beteiligten Experten ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Behandlung.
Arten von Wundspezialisten
Die Behandlung von komplexen Druckgeschwüren erfordert ein Team aus Fachkräften mit unterschiedlichen Spezialgebieten. Wundmanager oder Wundexperten, oft zertifiziert durch die Initiative Chronische Wunden (ICW), übernehmen die Koordination der Therapie. Sie wählen geeignete Wundauflagen aus und dokumentieren den Heilungsverlauf.
Spezialisierte Pflegekräfte führen regelmäßig die Verbandswechsel durch, schulen Angehörige in Lagerungstechniken und behalten den Hautzustand im Blick. Bei Dekubitus im Intimbereich oder in der Nähe eines Stomas kann zusätzlich ein Stomatherapeut hinzugezogen werden. Dieser ist auf den Schutz empfindlicher Hautpartien spezialisiert.
Achten Sie darauf, dass der gewählte Pflegedienst nach modernen Standards arbeitet und idealfeuchte Wundauflagen verwendet – trockene Verbände gelten inzwischen als veraltet und sogar als Behandlungsfehler.
Dekubitus vorbeugen: Damit er nicht wiederkommt
Neben der akuten Wundversorgung ist es entscheidend, Druckgeschwüren durch gezielte Maßnahmen vorzubeugen. Diese ergänzenden Strategien helfen, eine erneute Entstehung von Dekubitus zu vermeiden.
Lagerungspläne und druckentlastende Hilfsmittel
Ein regelmäßiges Umlagern – etwa alle zwei Stunden, auch nachts – ist unerlässlich. Die genaue Frequenz hängt vom individuellen Risiko und der eingesetzten Matratze ab. Ein Timer kann dabei helfen, die Intervalle einzuhalten, und die Lagewechsel sollten stets dokumentiert werden.
Die 30°-Seitenlagerung ist besonders effektiv, um Druck auf Steißbein und Schulterblätter zu reduzieren. Für eine Fersenfreilagerung empfiehlt es sich, ein Kissen unter die Waden zu legen, sodass die Fersen frei in der Luft schweben. Wichtig ist dabei, dass die Umlagerung ohne Scherkräfte erfolgt.
Wechseldruckmatratzen und spezielle Sitzkissen aus Gel oder Luft entlasten das Gewebe, indem sie den Druck auf verschiedene Körperstellen verteilen; welche dieser Hilfsmittel die Krankenkasse übernimmt und wie Sie sie beantragen, erfahren Sie in unserem Kostenüberblick. Diese Hilfsmittel können auf ärztliche Verordnung von der Krankenkasse übernommen werden, wobei meist nur eine geringe Zuzahlung von maximal 10 € anfällt. Beachten Sie, dass der Druck im Sitzen etwa siebenmal höher ist als im Liegen.
Neben der Lagerung spielt auch die Ernährung eine entscheidende Rolle, um die Haut zu stärken und Druckgeschwüren vorzubeugen.
Ernährung und Nährstoffe für die Wundheilung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Vitamin C, Zink und mindestens 1,5 bis 2 Litern Flüssigkeit pro Tag unterstützt die Hautregeneration. Lebensmittel wie Milchprodukte, Eier, Fleisch oder Hülsenfrüchte sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Vitamin C, das in frischem Obst und Gemüse enthalten ist, fördert die Kollagenbildung, während Zink, das in Vollkornprodukten, Fleisch und Eiern vorkommt, die Zellteilung unterstützt.
"Die Haut braucht Nährstoffe zur Regeneration. Besonders wichtig: ausreichend Eiweiß (Milchprodukte, Eier, Fleisch, Hülsenfrüchte), Vitamin C (Obst, Gemüse), Zink und genug Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter täglich)." (sign-med.de)
Untergewicht oder Mangelernährung können das Risiko für Dekubitus erhöhen, da fehlendes Fettgewebe den Druck auf Knochenvorsprünge verstärkt.
Zusätzlich zu Ernährung und Lagerung ist die tägliche Hautpflege ein zentraler Bestandteil der Prävention.
Tägliche Hautkontrolle und Feuchtigkeitsmanagement
Gefährdete Körperstellen sollten täglich kontrolliert werden, idealerweise während der Körperpflege oder beim An- und Auskleiden. Der Fingertest kann helfen, erste Anzeichen zu erkennen: Drücken Sie für eine Sekunde auf eine gerötete Stelle. Bleibt die Rötung bestehen, könnte dies auf einen beginnenden Dekubitus hinweisen.
Die Haut sollte sauber und trocken gehalten werden, ohne sie auszutrocknen. Inkontinenzprodukte müssen zeitnah gewechselt werden, und Hautschutzcremes mit Zinkoxid können als Barriere gegen Urin und Stuhl dienen. Eine dünne Schicht rückfettende Lotion hilft, die natürliche Hautbarriere zu erhalten. Alkoholhaltige Produkte wie Franzbranntwein, Puder oder reine Fette wie Vaseline sollten vermieden werden, da sie die Haut austrocknen oder die Poren verstopfen können.
Massieren Sie gerötete Hautstellen nicht, um das Gewebe nicht zusätzlich zu schädigen. Hautveränderungen sollten regelmäßig dokumentiert werden. Die MeinPflegetagebuch-App ermöglicht es, Fotos und Verlaufsnotizen strukturiert festzuhalten und bei der nächsten MD-Begutachtung als Nachweis vorzulegen.
Fazit
Diese Übersicht zeigt die zentralen Maßnahmen, die für die Behandlung und Vorbeugung eines Dekubitus entscheidend sind. Die Pflege zu Hause ist möglich, erfordert jedoch eine klare Abgrenzung zwischen den Aufgaben der Angehörigen und der professionellen Behandlung. Ohne Druckentlastung kann kein Dekubitus heilen – das bleibt der wichtigste Faktor. Sobald die Haut nicht mehr intakt ist (ab Stadium 2), sollte die Therapie durch einen Arzt geplant und geeignete Wundauflagen verschrieben werden.
„Ein Dekubitus ist eine chronische Wunde, die nur mittels professioneller Wundversorgung und konsequenter Kausaltherapie heilen kann." – Dr. Roxane Lorenz, Leiterin der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung, Dr. Ausbüttel
Angehörige können aktiv zur Heilung beitragen, indem sie die Haut täglich kontrollieren, alle zwei Stunden konsequent umlagern und auf eine eiweißreiche Ernährung achten. Warnsignale wie unangenehmer Geruch, Eiter oder Fieber sollten ernst genommen und umgehend ärztlich abgeklärt werden. Bleibt die Wunde nach zwei Wochen unverändert, könnte dies auf eine Infektion oder unzureichende Druckentlastung hindeuten.
Auch nach der Abheilung bleibt die Narbenhaut empfindlich. Daher ist es wichtig, Lagerungspläne, Hautpflege und eine optimierte Ernährung weiterhin konsequent umzusetzen. Mit MeinPflegefinder lassen sich spezialisierte Pflegedienste in Ihrer Nähe finden. Bei einer ärztlichen Verordnung übernehmen die Krankenkassen die Kosten.
FAQs
Wie lange dauert die Heilung je nach Dekubitus-Kategorie?
Die Heilungszeit eines Dekubitus hängt stark von seiner Kategorie ab. Bei einem Dekubitus der Kategorie 2 kann die Heilung innerhalb von Wochen erfolgen. Bei schwereren Fällen, wie Kategorie 3 oder 4, kann der Prozess jedoch mehrere Monate dauern.
Zusätzlich beeinflussen Faktoren wie eine konsequente und fachgerechte Wundversorgung sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten die Dauer der Genesung maßgeblich.
Welche Matratzen oder Lagerungshilfen sind zu Hause am sinnvollsten?
Anti-Dekubitus-Matratzen, wie Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratzen, sind eine effektive Unterstützung im häuslichen Umfeld. Sie reduzieren den Druck auf gefährdete Körperstellen, indem sie diesen regelmäßig entlasten. Zusätzlich ist es wichtig, alle 2 Stunden die Liegeposition zu wechseln. Eine 30°-Seitenlagerung, unterstützt durch Kissen, hat sich dabei bewährt.
Besonderes Augenmerk sollte auf die Fersen gelegt werden: Diese sollten immer freiliegen, um Druckstellen zu vermeiden. Spezielle Fersenschoner können hier zusätzliche Sicherheit bieten. Mit diesen Maßnahmen lässt sich das Risiko für Dekubitus nicht nur verringern, sondern auch die Heilung bestehender Druckstellen fördern.
Woran erkenne ich, dass es ein Notfall ist (112)?
Ein Notfall bei Dekubitus besteht, wenn Symptome wie Fieber, ein intensiver Geruch, Eiteraustritt, starke Schmerzen, eine größer werdende Wunde oder Hinweise auf eine Blutvergiftung (Sepsis) auftreten. In solchen Situationen ist schnelle medizinische Hilfe entscheidend. Wählen Sie in diesen Fällen sofort den Notruf 112.
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